Mein i-phone aus China

2010
06.20

Ja, ich habe auch eines – noch nicht lange und nicht das neueste Teil. Fast zwei Jahre lang habe ich mich bearbeiten lassen, bis ich mich dann endlich dazu durchringen konnte. Natürlich ist es ziemlich komfortabel seinen Kalender mit dem Telefon zu synchronisieren und auch unterwegs mal schnell in die E-Mails schauen zu können. Die vielen „Apps“ die es da gibt, habe ich mir noch nicht genauer angesehen, auch wenn meine Freunde die so ein Ding haben, davon teils Massen auf ihr Gerät geladen haben und diese eifrig bespielen.

Natürlich weiß ich, dass ein Großteil der technischen Ausstattung unseres Alltags in China produziert wird. Beim i-phone war ich mir dessen jedoch nicht so sehr bewusst – und auch nicht, welche Ausmaße die Produktion in China so annimmt. Dort arbeiten bei einer großen Firma die „Smartfons“ herstellt 400.000 Leute. Dort wird auch das i-phone hergestellt. Um es sich leisten zu können, müssten die dort bei der Herstellung beteiligten Arbeiter jedoch 2 Monate ausschließlich für die Anschaffung des Geräts arbeiten. Da Stelle ich mir doch einige Fragen. Das Telefon an sich ist ja nicht ganz billig – steckt sich die ganze Marge zwischen Produktion und Endverbraucher also Appel und deren Vertriebspartner in die Tasche? Oder gibt es eine solche Marge nicht in der Höhe, so dass es eben einfach nur deswegen zu solchen Preisen hier angeboten werden kann, weil in China dafür Wanderarbeiter ausgebeutet werden?

Meiner Ansicht nach, sollte Appel dafür sorgen, dass die Wanderarbeiter in China, die auch Appel-Produkte herstellen, angemessen entlohnt werden und mittelfristig nicht mehr zu wandern brauchen. Das kann entweder über eine Kürzung der Marge oder eine Erhöhung des Verkaufspreises (oder beidem), bei gleichzeitiger Einflussnahme auf die Produktionsbedingungen geschehen.

Wahrscheinlich müssten alle „High-Tech“-Produkte für den Endverbraucher teurer sein, wenn wir nicht die Ausbeutung der chinesischen Arbeiter unter teils unwürdigen Bedingungen hinnehmen und unterstützen wollen. Zudem braucht es mehr Transparenz bei den Produktionsprozessen und Lieferwegen – nicht nur was die CO2-Belastung angeht – auch was Löhne und Arbeitsbedingungen der an der Herstellung beteiligten Menschen betrifft.

Ich jedenfalls muss mich für dieses mal damit abfinden: mein i-phone kommt aus China und somit bin ich mit-verantwortlich für die Ausbeutung der Arbeiter die es hergestellt haben. Ob deswegen weil ich es sonst nicht so „günstig“ hätte bekommen können, oder weil ich Appel eine dicke Marge in den Rachen geworfen habe spielt keine Rolle.

Quelle: NZZ.

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