Buchmesse 2010 – ein paar Gedanken

2010
10.14

… Frankfurt war wie jedes Jahr anstrengend, aber in vieler Hinsicht auch angenehm. Bücher verkauft man ja kaum, auf der größten Buchmesse. Aber das macht eigentlich nichts. Man trifft viele (meist nette, angenehme) Menschen aus der Branche, alle haben eines gemeinsam: das Buch (und dessen Vermarktung). Das überleben unter Messebedingungen ist vor allem für die Aussteller sehr anstrengend. Unter anderem deswegen veranstalten wir (die Syntropia-Crew) dort das“Café der Verlage“, dieses Jahr zum vierten Mal. In Halle 3.1 gibt es dann einen gemütlichen Ort zwischen vielen Ständen von kleinen und mittleren unabhängigen Verlagen. Da wir von Darmstadt aus „Heimvorteil“ haben, richten wir die Sache aus und bauen dort auch die ganze Einrichtung und Ausstattung auf. Wichtig ist uns dabei auch die Kooperation und das Überwinden des Konkurrenzdenkens. Ich merke auch, dass viele Kontakte von Jahr zu Jahr freundschaftlicher werden. Das ist schön.

Leider ist die Szene was den Anschluss an die Neuzeit angeht (Internet-Technologie, E-Books, etc.) nicht besonders sachkundig, aber an vielen Stellen dringend bedürftig. Das führt bei manchen Verlegern dann zu Fehlentscheidungen aus mangelndem Einschätzungsvermögen (logisch – denn es kann ja der Verleger nicht auch jetzt noch Programmierer werden; und das ist auch so eine andere welt, dass es schon schwerfällt sich da hineinzudenken). Außerdem lässt sich feststellen, dass man als kleiner unabhängiger Verlag mit den verschiedenen Handlungsebenen leicht überfordert sein kann. Allein die Pflege der Titeldaten in verschiedenen Systemen wie Internetseite, Barsortimente (Meldungen), VLB, andere Online-Shops kann einem auf der Zeitschiene Ressourcen nehmen, die eigentlich für Publikations-Vorbereitungen, Pressearbeit und strategische Überlegungen benötigt würde.

Das E-Book ist trotz mangelnder Umsätze bei deutschen Verlagen und auf deutschen Portalen zunehmen gewünscht. Viele Verleger sind offener gegenüber Experimenten damit, als noch im vergangenen Jahr. Libreka ist aus meiner Sicht keine zukunftsweisende Lösung. Thalias „Oyo“ ist optisch recht schick, fasst sich aber etwas „billig“ an. Ist er ja auch und das könnte ihm, und damit Thalia, auch zum Durchbruch im E-Book-Bereich verhelfen. Es wird aber ganz darauf ankommen, ob dann dafür bei Thalia auch die entsprechende Vielfalt an digitalem Content vorhanden sein wird, damit die Anschaffung interessant wird.

Auf der Buchmesse hat sich in diesem Jahr die Kreativität der Branche in einer Titelvielfalt von hoher Qualität in zeitgemäßem und zukunftsweisenden Design widergespiegelt. Natürlich sind auch noch viele „verstaubte“ Verlage zu sehen, aber der Trend geht meiner Einschätzung nach zu stylischen Verpackungen. Diese Kreativität wäre an der digitalen Front sicher auch hilfreich. Großen Häusern fällt es, dank finanziellem Power, naturgemäß leichter als kleinen Unabhängigen, sich fit für jetzt-zeit und Zukunft zu machen – die Kreativität ist bei ihnen jedoch oft größer.

Jetzt müssen alle erst einmal ausruhen, verarbeiten, abarbeiten und die neuen Kontakte nutzen, Ideen konkretisieren.

Schön wars..

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