Gespräche über eine Regionalwährung für Darmstadt

2011
03.09

In den letzten Tagen habe ich mit einer Menge menschen, vielen auch Selbstständigen und Unternehmern über Regionalwährung, Zins und Umlaufsicherung, Euro- und Waren/Leistungs-deckung und über vieles mehr was Geld anbelangt gesprochen. Mir ist aufgefallen, dass viele sich das Regionalgeld schwer vorstellen können. Es gibt dabei aber eben auch viele Fragen die bei der näheren Überlegung auftauchen. Solche Fragen und meine Antwort dazu, habe ich im folgenden mal aufgeschrieben.

Wie ist der Wertschein gedeckt? Und wie soll er überhaupt in Umlauf kommen?
Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Üblicherweise tritt ein Verein, oder eine Genossenschaft als Träger und Emittent auf. In diesem „Rechtsorgan“ können Unternehmen und Privatleute Mitglied werden und Mitverantwortung bei der Deckung des Geldes nehmen. Das Regionalgeld kann beim Träger und u.U. auch an den Akzeptanz-Stellen für Euro eingetauscht werden. Die Euro werden zur Deckung und zum Rücktausch hinterlegt. Unternehmen die Verantwortung durch Rücktauschzusicherung oder Warenlieferung übernehmen, könnten die Wertscheine z.B. auch ausgeben um Waren oder Dienstleistungen von regionalen Anbietern zu beziehen, oder Personal (teilweise) damit entlohnen.

Was hat es mit der Umlaufsicherung auf sich?
Es handelt sich um eine Schrittweise Abwertung des Geldes, die dem Horten entgegen wirkt und dafür sorgt, dass das Zahlungsmittel rascher umläuft. Man kann es sich als eine Art „Anti-Zins“ vorstellen. Praktisch wird z.B. am Monatsende eine Marke auf den Schein aufgeklebt die 1% seines Wertes entspricht. Diese Marken bekommt man wie die Scheine z.B. beim Träger und hat damit gleich Kleingeld. Vorstellbar wären auch Abwertungen von 3% im Quartal – die Zeiträume der Abwertungen sollten aber kurz gehalten werden, damit der Anreiz möglichst groß ist, die Mittel (regional!) im Umlauf zu halten. Die Abschläge kommen üblicherweise (abzüglich Verwaltungs- und Herstellungskosten der Währung)gemeinnützigen Organisationen in der Region zu Gute.

Wo kann ich damit einkaufen?
In Darmstadt sicher bei einer Menge Ladengeschäften, vielleicht auch vielen Handwerkern, allen eben, die mitmachen. Natürlich sollten es möglichst viele sein, um ein breites Angebot für die regionale Währung zu haben und mittelfristig, vielleicht mit Unterstützung der Forschung (TUD???) zu einem eigenen Warenkorb zu kommen. Sehr fein wäre es eben, wenn auch städtische Organe und Firmen im öffentlichen Dienst die regionale Währung annehmen würden.

Und wie versteuert man dann seine Umsätze als Unternehmer oder Selbstständiger?
Da der Umtauschkurs 1:1 zum Euro sein wird, verbucht man, als hätte man in Euro gehandelt und gibt die Umsätze selbstverständlich bei seinen Erklärungen gegenüber dem Finanzamt entsprechend an. Bei bereits existierenden Regionalwährungen funktioniert das gut.

Ja, und wo bekomme ich die Heinerwährung her?
Nun, wie oben beschrieben, müsste zunächst ein Verein o.ä. gegründet werden, der zum Ziel hat Regionale Wertscheine zu etablieren und eine Kerngruppe von Personen mit vorbereitenden Massnahmen beginnen. Zunächst gilt es, eine möglichst große Anzahl Geschäftsleute zu überzeugen Mitglied zu werden. Einige Formalitäten sollten erfüllt werden auf die ich jetzt hier nicht näher eingehe, die Scheine und ein Aussenauftritt müssen gestaltet werden. Wenn genügend Mitglieder für einen Ausreichend großen Warenpool beisammen sind und eine sinnvolle Deckung beschlossen, können die Scheine gedruckt und emittiert werden. Bis man sie also irgendwo abholen oder umtauschen kann, wird noch etwas Zeit vergehen.

Kann man die dann nicht leicht fälschen?
Wahrscheinlich wäre es etwas leichter als bei Euro-Geldscheinen, die ja auch schon nicht besonders sicher sind. Es gibt aber verschiedene Gründe, die dagegen sprechen, dass das gemacht wird, wie z.B. die Regionalität der Gültigkeit. Zudem könnte man heutzutage leicht eien Datenbank mit all den Schein-Seriennummern befüllen und damit via Internet sicherstellen, dass der Schein jeweils echt ist. Es würde auffallen, wenn an einem tag 2x mit der selben Seriennummer bezahlt wird. Darüber hinaus könnte man auch unattraktive Stückelungen von z.B. max. 20,- vorsehen um eine Fälschung wenig lohnend zu machen. Die fälschungssicheren Merkmale könnte man auf den Scheinen zudem sehr kreativ und schwer nachzuahmen anbringen.

Und was soll mir das bringen?
Das ist verschieden, je nachdem ob man UnternehmerIn ist oder „einfacher Bürger“. Geschäftsleute kommen im allgemeinen schnell zu höheren Umsätzen und einer verbesserten Kundenbindung. Alle zusammen kommen in den Genuß eines regionalen Aufschwungs (wie man sich am Beispiel des „Experiments von Wörgl“ leicht vor Augen führen kann) und besserer sozialer Verhältnisse. Sollte die Stadtverwaltung partizipieren wird sich auch die Infrastruktur (Strassenzustand) verbessern. Falls nicht, gibt es ja vielleicht auch ein paar Bürgerinitiativen und es wird dennoch besser… Mit der Abwertung der Umlaufsicherung finanziert man „gute Sachen“.

Ich werde sicher noch viele Gespräche führen und da kommen immer wieder tolle Fragen. Vielleicht formiert sich ja bald ein Verein der anfängt zu handeln… in ein paar Wochen gibt es schon ein paar hundert Mitglieder…
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2 Responses to “Gespräche über eine Regionalwährung für Darmstadt”

  1. Sandra Schinke sagt:

    Hallo Alex,

    es gibt bereits eine Gruppe, die sich schon einige Zeit mit der Einführung einer Regionalwährung befasst:

    Ich möchte Euch herzlich zum nächsten Arbeitskreis Regionalgeld des Instituts für Praxis der Philosophie am 27. März 2011 um 15.00 Uhr im Kennedyhaus einladen (Literaturhaus, Hintereingang, Klingeln bei IPPh/Schleucher-Bibliothek, 3. Stock).
    Besonders möchte ich darauf hinweisen, dass Rolf Merten, Initiator der Regionalgeldinitiative REGIO in Bayern (www.der-regio.de), der bereits auf der Herbsttagung 2010 einen inspirierenden Vortrag im IPPh gehalten hat, wieder zu uns kommen wird. Er wird über die Vorteile und konkreten Möglichkeiten, Regionalgeld in Darmstadt und Umgebung einzuführen, sprechen, sowie für Fragen zur Verfügung stehen.
    Diese Einladung könnt Ihr auch gerne weiterleiten. Meldet Euch nach Möglichkeit bitte an bei Dr. med. Sibylle Riffel, praxis@sibylle-riffel.de
    Internet: http://www.ipph-darmstadt.de

    Liebe Grüße
    Sandra

  2. admin sagt:

    Ja, sicher gibt es diese Gruppe, deren treffen ich ja nun auch schon 2x beigewohnt habe und die ich an dieser und anderen stellen bereits mehrfach erwähnte. Ob deren Stoßrichtung (Beitrittswunsch zu einer bestehenden Wärhung in einer andren Region) wirklich zielführend ist, muss sich jedoch erst noch herausstellen. Ich befürworte einen „eigenen“ Verein für Darmstadt und eine zunächst völlig unabhängige Regionalwährung. Zu einem späteren Zeitpunkt kann man dann über Kooperationen mit anderen Währungen nachdenken und solche Schritte einleiten. Ich bin aber der Ansicht, dass Darmstadt, bereits aus Gründen der regionalen Identifikation eine eigene Währung braucht – nicht ein Derivat einer anderen bereits bestehenden Währung.

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